Woher kommen die Vergabedaten?

Kurzantwort

Deutsche öffentliche Ausschreibungen — von Bund, Ländern und Kommunen, ober- wie unterschwellig — werden über einen gesetzlich vorgeschriebenen zentralen Dienst konsolidiert: den Datenservice Öffentlicher Einkauf (oeffentlichevergabe.de). Diese Daten stehen allen offen: ohne Registrierung durchsuchbar und als Open Data in den Formaten eForms-DE, CSV und OCDS. Wirbt ein Anbieter mit '180+ Quellen', zählt er Portale, die in genau diesen zentralen Dienst einspeisen — die Zahl sagt also wenig über die Datenbasis aus.

Eine zentrale Stelle, nicht 180 getrennte Quellen

Die deutsche Vergabelandschaft wirkt unübersichtlich: Hunderte Vergabestellen, Dutzende Plattformen, scheinbar viele getrennte Datenquellen. Hinter dieser Oberfläche steht jedoch ein gesetzlich vorgeschriebener zentraler Dienst, der die Bekanntmachungen zusammenführt: der Datenservice Öffentlicher Einkauf (oeffentlichevergabe.de), betrieben vom Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums.

Über diesen Dienst werden die Bekanntmachungen von Bund, Ländern und Kommunen konsolidiert — ober- wie unterschwellig. Der Dienst führt die Bekanntmachungen der angeschlossenen Vergabeplattformen an einer Stelle zusammen und wird kontinuierlich ausgebaut. Er ist damit nicht eine weitere Quelle neben vielen, sondern die zentrale Stelle, an der die Quellen zusammenlaufen.

Dieselben Daten stehen allen offen

Diese Daten sind nicht exklusiv. Sie sind ohne Registrierung durchsuchbar und stehen zusätzlich als Open Data zur Verfügung — in den Formaten eForms-DE, CSV und OCDS (Open Contracting Data Standard). Wer die Daten maschinell verarbeiten will, kann sie über eine frei zugängliche Schnittstelle abrufen.

Das ist der Kern, der oft übersehen wird: Die Datenbasis ist für alle gleich. Jede Plattform, die deutsche Ausschreibungen anzeigt, schöpft im Grunde aus demselben öffentlichen Topf.

Was die “180+ Quellen” wirklich bedeuten

Manche Anbieter werben mit großen Zahlen — “180+ Quellen”, “über 200 Portale”. Diese Zahl beschreibt einen Mechanismus, kein Datenmonopol: Sie zählt die einzelnen Vergabeplattformen, die ihre Bekanntmachungen in denselben zentralen Dienst einspeisen. Die Portale sind die Zuflüsse; der Datenservice Öffentlicher Einkauf ist der See, in den sie münden.

Eine hohe Quellenzahl sagt deshalb wenig über die Datenbasis aus — sie sagt etwas darüber aus, wie viele Zuflüsse jemand aufzählt. Was eine Plattform tatsächlich unterscheidet, ist nicht, aus wie vielen Quellen sie zählt, sondern was sie mit den Daten macht: wie gut die Suche ist, ob KI-Assistenten und eigene Systeme direkt zugreifen können, und wo Ihre Firmendaten dabei landen.

Auch dieses Dashboard bezieht von dort

Vollständigkeitshalber: Auch Vergabe Dashboard bezieht seine Daten aus genau dieser öffentlichen Quelle — wir lesen die Tagesexporte des Datenservice Öffentlicher Einkauf von oeffentlichevergabe.de ein. Der Unterschied zwischen Werkzeugen liegt also nicht in den Daten, sondern in der Aufbereitung. Welche Plattform welche Funktionen bietet, vergleichen wir gesondert im Vergabeportale-Vergleich — diese Seite erklärt nur, woher die Daten kommen.

Warum ist das für Sie wichtig?

Wenn Sie verstehen, dass die Datenbasis für alle gleich ist, treffen Sie bessere Entscheidungen:

  • Werbeversprechen einordnen — eine große Quellenzahl ist kein Qualitätsmerkmal der Daten. Fragen Sie stattdessen nach Suchtechnologie, Schnittstellen und Datenschutz.
  • Kostenfrei selbst nachsehen — die Daten sind ohne Registrierung auf oeffentlichevergabe.de durchsuchbar und als Open Data abrufbar. Für gelegentliche, gezielte Suchen reicht das oft schon.
  • Den richtigen Vergleich anstellen — bei der Wahl eines Werkzeugs geht es um die Aufbereitung, nicht um die Daten. Genau dort liegen die echten Unterschiede.

Häufig gestellte Fragen

Haben alle Vergabeportale dieselben Daten?

Im Kern ja. Die Bekanntmachungen von Bund, Ländern und Kommunen — ober- wie unterschwellig — werden über den gesetzlich vorgeschriebenen Datenservice Öffentlicher Einkauf (oeffentlichevergabe.de) konsolidiert; der Dienst wird kontinuierlich ausgebaut. Dieselben Daten stehen allen offen, auch als Open Data. Wirbt ein Anbieter mit '180+ Quellen', zählt er Portale, die in diesen zentralen Dienst einspeisen. Der Unterschied zwischen Werkzeugen liegt in der Suchtechnologie, dem KI- und API-Zugang und dem Umgang mit Ihren Firmendaten — nicht in der Datenbasis.

Kann ich die Vergabedaten kostenlos selbst durchsuchen?

Ja. Der Bekanntmachungsservice auf oeffentlichevergabe.de ist ohne Registrierung durchsuchbar (Stichwort- und CPV-Suche), und die Daten stehen zusätzlich als Open Data in den Formaten eForms-DE, CSV und OCDS über eine frei zugängliche Schnittstelle bereit. Für gezielte, gelegentliche Suchen reicht das aus.

Quellen

  1. Beschaffungsamt des BMI — Datenservice Öffentlicher Einkauf: zentrale Stelle für alle relevanten Bekanntmachungen öffentlicher Auftraggeber aus Bund, Ländern und Kommunen; Open-Data-Schnittstelle in den Formaten eForms, OCDS und CSV; betrieben vom Beschaffungsamt seit Oktober 2023
  2. § 10a Abs. 5 VgV — Bekanntmachungen sind dem Amt für Veröffentlichungen der EU elektronisch über den Datenservice Öffentlicher Einkauf zu übermitteln (gesetze-im-internet.de)

Stand: Juni 2026